Appell an Politik, Kirchen, Gewerkschaften, Waldbewohner, RWE, Polizei…   vom 10. April 2019

Michael Zobel    Naturführer und Waldpädagoge                             Aachen, April 2019

 

Appell im April 2019 – Versöhnen statt spalten – Wald und alle Dörfer können bleiben

 

April 2019, es ist viel in Bewegung, wir stehen vor großen Veränderungen. Der Klimawandel wird immer drastischer, der UN-Generalsekretär ruft um Hilfe. Steigender Meeresspiegel, Dürren, Überschwemmungen, Tornado in der Eifel. Die „Jahrhundertereignisse“ im Monatstakt. Und was machen wir? Weiter wie gehabt? Aussitzen hilft nicht mehr. Vielleicht sind es am Ende unsere Kinder, die Schüler und Studenten, die für eine drastische Wende sorgen. Indem sie weltweit auf die Straßen gehen und für ihr Überleben und ihre Zukunft kämpfen. Unterstützt von Eltern, Lehrern, Wissenschaftlern, Künstlern. Unüberhörbar, unübersehbar. Es geht um nicht weniger als um das Überleben auf diesem Planeten. Viele Akteure sind jetzt gefragt, wir haben keine Zeit mehr. Die Erkenntnisse liegen auf dem Tisch, jetzt muss gehandelt werden, bei uns und anderswo.

Regierung und Politik

Frau Merkel, Herr Altmeyer, Frau Schulze, Herr Laschet, setzen Sie mindestens die Empfehlungen der Kohlekommission sofort um. Oder zeigen Sie der Welt, dass Sie die Zeichen der Zeit erkannt haben und gehen Sie noch über die Empfehlungen der Kommission hinaus. Greifen Sie die Sorgen vor allem der jungen Menschen auf, diese Bewegung ist nicht aufzuhalten. Herr Laschet, mit einem Rodungs-Moratorium bis 2020 ist niemandem gedient. Helfen Sie mit, einen dauerhaften Rodungsstopp durchzusetzen, setzen Sie genau dieses Zeichen, viele Menschen werden Ihnen dankbar sein.

Kirchen

Es geht um die Bewahrung der Schöpfung. Nicht nur als Lippenbekenntnis. Auch durch Taten. Entwidmen Sie keine Kirchen in den Tagebaudörfern mehr. Verkaufen Sie keine weiteren Gotteshäuser an RWE. Retten Sie die Kirchen in Manheim, Morschenich, Keyenberg, Kuckum und den anderen Dörfern an den Tagebauen. Stellen Sie sich an die Seite der Menschen, die in ihrer angestammten Heimat bleiben wollen.

Gewerkschaften

Angst ist ein denkbar schlechter Ratgeber. Der Strukturwandel ist in vollem Gange, jetzt wird er zusätzlich angeschoben mit großen Summen. Sagen Sie Ihren Mitgliedern, dass die kommenden Veränderungen eine ganz große Chance für die Braunkohlereviere sind. Schon jetzt äußern die Arbeitsagenturen, dass der Bedarf an Arbeitskräften im Revier in den kommenden Jahren kaum gedeckt werden kann. Für mich gehört zu den Aufgaben von Gewerkschaften, für zukunftsfähige und nachhaltige Beschäftigung zu arbeiten. Nehmen Sie den Beschäftigten die Sorge vor den längst überfälligen Veränderungen…

Fridays for Future

Ich setze auf die jungen Menschen. Sie nehmen das Handeln jetzt selbst in die Hände, hunderttausendfach jeden Freitag, bei uns, weltweit. Die „Profis“ hatten genug Zeit, jetzt läuft die Zeit davon. Und je größer die Restriktions-Drohungen und die Schmähungen werden, umso klarer wird, dass die jungen Leute auf dem richtigen Weg sind. Ich freue mich, für meine Kinder und meine Enkel. Zusammen mit vielen Eltern, Lehrern, Wissenschaftlern, Künstlern. Und wir bleiben dabei, in den kommenden Wochen und Monaten. Auch am 21. Juni in Aachen, mit 50000 oder mehr Menschen aus ganz Europa, unsere Stadt wird dann das Zentrum der ständig wachsenden Bewegung sein. Danke, Fridays for Future!

 

RWE

Ich appelliere an den Konzern. Hören Sie sofort auf, tagtäglich unumkehrbare Tatsachen zu schaffen. Hören Sie auf, den Hambacher Wald zu zerstören. Stoppen Sie die Bagger auf der oberen Sohle. Hören Sie auf mit der Zerstörung der Dörfer, niemals wird ein Braunkohlebagger Manheim oder Morschenich erreichen. Stoppen Sie die Vertreibung der Menschen aus den Dörfern. Machen Sie möglich, dass Menschen in ihrer Heimat bleiben. Helfen Sie mit, den Tagebaudörfern eine neue Zukunft zu geben. Hören Sie auf mit Ihrer unsäglichen Propaganda. Mit der Böschungslüge am Hambacher Wald. Zweimal haben Sie den Stillstand des Tagebaus Hambach beschworen. Vor Gericht. Ohne Rodungen käme das Ende des Tagebaus. Unwahr. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat Ihnen präzise vorgerechnet, dass Dörfer und Wald erhalten bleiben können, ohne die Tagebaue in den kommenden Jahren stoppen zu müssen. Hören Sie auf, Öl ins Feuer zu gießen, helfen Sie mit, eine ganze Region zu befrieden.

Waldbewohner und Waldschützer

Bekanntlich habe ich großen Respekt vor den Menschen im Wald, die seit sieben Jahren den Wald unter großem persönlichem Einsatz vor der endgültigen Vernichtung bewahrt haben. Ich verlange aber von jedem Menschen, der sich für den Erhalt des Hambacher Waldes einsetzt, dass er sehr genau überlegt, welche Handlungen dem gemeinsamen Ziel dienlich sind und welche nicht. Es gibt auf beiden Seiten Menschen, die nicht an einer friedlichen Lösung interessiert sind. Unüberlegte Handlungen werden gerne benutzt, um von jeglicher inhaltlicher Diskussion abzulenken. Und genau das brauchen wir nicht.

Polizei

Ich appelliere an den Innenminister, die unsägliche Eskalations-Rhetorik einzustellen. Sie dient nicht dem Frieden. Ich appelliere an die Polizei von NRW und darüber hinaus, sich nicht weiter für eine verfehlte Politik missbrauchen zu lassen. Aktuell wird bekannt, dass der große Räumungseinsatz im September 2018 eben doch von RWE beauftragt war, die Landesregierung NRW hat externe Gutachter beauftragt, nach Vorwänden für diesen sündhaft teuren und völlig sinnlosen Einsatz zu suchen. Ein Skandal. Baumhäuser können geräumt werden. Wieder und wieder. Aber mit diesen überflüssigen und teuren Einsätzen wird nicht ein einziges Problem gelöst. Mit jedem Ihrer Einsätze wird ein weiteres Stück des Hambacher Waldes massiv geschädigt. Es kann und darf nicht sein, dass die Polizei des Landes sich so zum Erfüllungsgehilfen eines profitorientierten Konzerns macht.

 

Danke für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung.

Für Rückfragen stehe ich natürlich jederzeit zur Verfügung,

mit hoffnungsvollen Grüßen,

 

Michael Zobel

 

Naturführer und Waldpädagoge aus Aachen

 

11. April 2015, Aachener Zeitung: Im Hambacher Forst: Wo Besetzer gegen Bagger kämpfen

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14. August 2011, Aachener Nachrichten: Michael Zobel erspürt, erriecht und erfühlt den Aachener Wald

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